Die Technik im Gasometer

Die Uraufführung im Gasometer stellt uns vor viele neue interessante und technische Herausforderungen. Stefan Hippe hat hier einige spezielle Vorgaben gemacht, um seine Komposition an den Aufführungsort anzupassen.

Das Orchester ist in 10 Ensembles mit 1 bis 4 Spielern aufgeteilt. Diese sind auf einem Kreis von ca. 200 m Umfang verteilt. Dadurch ergibt sich ein durchschnittlicher Hörabstand der einzelnen Ensembles zueinander von ca. 20 m. Da der Gasometer innen etwa 60 m Durchmesser hat, ist der Dirigent in der Mitte auch etwa 30 m weit entfernt und kaum noch sichtbar. Dieser Konzertsaal hat eine fast zylindrische Grundform mit etwa 60 m Durchmesser und sagenhaften 100 m Höhe. Hieraus lässt sich bereits die spezielle Akustik erahnen. Erste Proben im Gasometer bestätigten den außergewöhnlichen Klangeindruck mit bis zu 15 Sekunden Nachhall.

Will man auf der „wahrscheinlich schwersten Bühne der Welt“ (die ehemalige Gasdruckscheibe hat immerhin ein Gewicht von 600 Tonnen Stahl und früher zusätzlichen 607 Tonnen Betongewichten) ein Musikstück mit einem Orchester aufführen, so ist das Zusammenspiel der schwierigste Teil des Vorhabens.

Dieses hat der Komponist berücksichtigt und deshalb das konventionelle Dirigat durch eine Stoppuhr ergänzt.

Hier fing die spezielle Herausforderung an die Technik an. Wie kann man den 10 Ensembles eine synchrone Stoppuhr zur Verfügung stellen, nach der man sich orientieren kann? Man könnte eine große Firma mit der Installation der Zeitmessung beauftragen, aber hier werden die Kosten des Vorhabens schnell jeden Rahmen sprengen. Es waren also eigene Ideen gefragt und kostengünstige Methoden, das Ganze umzusetzen.

Die erste Idee war schließlich, eine Stoppuhr auf einem Laptop laufen zu lassen und das Bild dazu auf mehreren Monitoren zu verteilen. Nach einigem Suchen fanden wir eine Computerfirma aus Oberhausen, die uns freundlicherweise einen geeigneten 10-fach-Monitorverteiler ausleihen konnte. Ein erster Testlauf im heimischen Wohnzimmer zeigte, dass die Zeitanzeige auf den verschiedenen Geräten synchron darstellbar ist.

Ab dieser Zeit fuhren wir schon mal mit dem hauseigenen Computermonitor zu Probe. Dort haben wir in der Mitte des Raumes zwei Tische aufgestellt und mit 5-6 Monitoren das Bild in jede Raumrichtung verteilt. Die sehr gewöhnungsbedürftige Spielweise nach Stoppuhr konnte hier anfänglich einstudiert werden. Doch im Gasometer ist ein 19 Zoll Monitor aus ca. 30 m Entfernung wohl kaum mehr zu erahnen. Hier muss also ein größerer Flachbildschirmfernseher her, der auch den gleichen VGA-Anschluss hat.

Erste Vorstellungen für den Gasometer ergaben also 5-6  Fernseher mit ca. einem Meter Bildschirmdiagonale. Und das für 2 bis 3 Proben und zusätzlich die Aufführung am Konzerttermin. Erschwerend kommt hinzu, dass im Gasometer eine Ausstellung bis 18 Uhr für das Publikum geöffnet hat, wir also erst danach unsere Technik aufbauen können.

Nach diesen ersten Ideen, wie man die Stoppuhr technisch lösen kann, kam jedoch der Wunsch auf, die Stoppuhr per Funk auf ein Smartphone oder Tablet zu übertragen. Hier ahnten bereits viele die Schwierigkeit der Laufzeiten von Funk- und Übertragungswegen. Ein zweiter Laptop wurde so programmiert, dass er eine Webseite mit laufender Stoppuhr darstellt. Mit einer geeigneten Serversoftware ist der Remotezugriff von 15 bis 20 mobilen Endgeräten möglich, wenn man diese Seite mit einem WLAN-Router im Raum verteilt. Es ist uns nach vielen Einstellungen nun gelungen, die Stoppuhr auf 5-6 Monitoren und 15-20 Smartphones und/oder Tablets in der Probe synchron darzustellen. So hat jeder die Möglichkeit, die Uhr in der Nähe zu betrachten.

Das Publikum erwartet dazu im Gasometer ferner die Anzeige der Stoppuhr in der Mitte auf der Gasdruckscheibe. Die erste, sehr beeindruckende Probe der Monde des Saturn, vierter Teil im Gasometer hat soeben stattgefunden. Die Grundgedanken zur Synchronität der Stoppuhr waren auch in diesem großen Raum richtig. Hinzu kam eine neue technische Schwierigkeit, diesen großen “Faradayschen Käfig” von innen mit einem WLAN-Netz zu versorgen. Immerhin stören hier keine äußeren Einflüsse, da er durch seinen Blechmantel Handynetze und Radioempfang wirksam abschirmt.

 

Wir lieben diese Herausforderungen. Das Zusammenspiel in einem derart „schweren“ Konzertsaal bringt uns sicher musikalisch weiter. Es trainiert eine neue Exaktheit im Zusammenspiel der einzelnen Gruppen. Zudem wirkt ein derartiges Werk in diesem Raum sicher gewaltig und beeindruckt nicht nur die Zuhörer.

Freuen Sie sich also mit uns auf dieses einzigartige Ereignis !